Lymphgefäßtransplantation

Die Verpflanzung von eigenen Lymphgefässen des Patienten ist für die Behandlung einer Reihe von Erkrankungen wichtig, die auf  lokale Unterbrechungen des Lymphsystems beruhen.

Diese Unterbrechungen  können durch einen Rückstau der Lymphflüssigkeit  zu Lymphödemen führen.
Dies sind  Armlymphödeme nach Brustkrebserkrankungen die einen Eingriff in der Achsel notwendig gemacht haben und hier zu einer Unterbrechung im Lymphsystem geführt haben.

Dies sind einseitige Beinödeme die nach einer Tumorbehandlung bei gynäkologischen und urologischen Erkrankungen mit einer Unterbrechung im Lymphsystem auftreten. Auch Ödeme im Genitalbereich können in der Folge auftreten.

Auch Ödeme nach Unfällen oder anderweitigen lokalen Beeinträchtigungen des Lymphabstromes können eine mikrochirurgische Behandlung erforderlich machen.

Selten führt eine angeborene lokale Beeinträchtigung des Lymphtransportes zu einem Lymphödem.

Gemeinsam ist diesen Erkrankungen eine lokale Beeinträchtigung des Flüssigkeitstransportes in den Gefäßen.

Gut bekannt ist diese Situation z.B. am Herzen, wenn die Herzkranzgefäße an einer Stelle verstopft sind. Eine Behandlungsmöglichkeit besteht dann darin,  die Verschlussstelle durch einen Bypass  zu überbrücken. Gleiches ist jetzt auch für die Lymphgefäße möglich geworden.

Technik der Lymphgefässtransplantation

Durch die Mikrochirurgie ist eine derartige Überbrückung auch im Lymphgefäßsystem möglich geworden. Da die Lymphgefäße nicht nur einfache Röhren sind, sondern die Flüssigkeit aktiv transportieren sind Lymphgefäße am besten geeignet für eine Überbrückung. Der Körper besitzt normalerweise an der Innenseite des Oberschenkels ein ganzes Bündel von Lymphgefäßen, sodass hier einige Gefäße für die Überbrückung entnommen werden können. (Abb. A)

Transplantat Entnahme

(A) Transplantat Entnahme

Am Arm werden die verpflanzten Lymphgefäße in das Unterhautfettgewebe verlagert und mit aufsteigenden Lymphbahnen am Oberarm, vor der Problemstelle in der Achsel und am Hals mit Lymphbahnen oder Lymphknoten nach der Problemstelle in der Achsel anastomosiert. Auf diese Weise kann die Lymphe   an der Engstelle vorbeifließen. (Abb. B)

Arm Lymphödem

(B) Transplantat bei Arm Lymphödem

Bei Beinödemen und bei Genitallymphödemen muß ein gesundes Bein vorhanden sein um von dort Lymphgefässe zur Ableitung von Lymphe aus dem Ödemgebiet zu gewinnen. Die Lymphe fließt dann vom erkrankten Bein oder von den Genitalien zur gesunden Seite. (Abb. C)

Transplantat bei Bein Lymphödem

(C) Transplantat bei Bein Lymphödem

Entwicklung und externe Erfolgskontrolle

Diese mikrochirurgische Lymphgefäßtransplantation wurde durch Prof. Baumeister im Institut für experimentelle Chirurgie der Ludwig Maximilians Universität entwickelt, 1980 erstmals in die Behandlung eingeführt und seither bei mehr als 350 Patienten angewandt.

Klinisch konnten signifikante Verminderungen der Volumina gemessen werden bis hin zur Normalisierung. Bei Armödemen waren die Verminderungen auch nach mehr als 10 Jahren unverändert festzustellen.

Durch Untersuchungen in der Klinik für Nuklearmedizin konnte eine Verbesserung des Lymphabstromes nach einer Lymphbahnverpflanzung bis hin zur Normalisierung nachgewiesen werden.

Kontrollen in dem Institut für radiologische Diagnostik zeigten eine Langzeitdurchgängigkeit der verpflanzten Lymphgefäße  über mehr als 10 Jahre.